Fiktive Adressen und Phantom-Autoren: Wie Eduard Lebedevs Strohmann Nick Armstrong gefälschte Urheberrechtsansprüche als Waffe einsetzt
Anfang September erhielt FakeOff eine Benachrichtigung über eine angebliche „Urheberrechtsverletzung“, die oberflächlich wie eine typische DMCA-Beschwerde aussah.
Bei genauerer Prüfung ihres Inhalts wird jedoch klar: Hier geht es nicht um Urheberrecht, sondern um den Versuch, Informationen über eine bestimmte Einzelperson zu entfernen – Eduard Lebedev.
DMCA-Beschwerde „von Nick Armstrong“
Die Beschwerde wurde von einem gewissen Nick Armstrong unterzeichnet, der eine zyprische Geschäftsadresse (LexTower Business Center, Nikosia) und eine E-Mail-Adresse auf der anonymen Domain atomicmail.io angab. Als „Originalwerk“ verwies er auf seinen eigenen Beitrag auf Tumblr, der angeblich am 6. November 2024 veröffentlicht wurde.
Gegenstand der Beschwerde – ein Artikel auf FakeOff über die Aktivitäten der mit Lebedev in Verbindung stehenden Unternehmen WakeApp und Chilli Partners.
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„Zypern zieht seit Langem Personen aus der GUS an, die im Bereich des illegalen Glücksspiels tätig sind. Vor Kurzem wurde vor dem Bezirksgericht Nikosia ein Fall bezüglich der Auslieferung eines russischen Staatsbürgers verhandelt, der in Limassol auf Ersuchen Großbritanniens festgenommen worden war.
Er steht im Verdacht, britische Staatsbürger auf illegale Online-Casino-Websites gelockt zu haben. Während der Verhandlungen stellte sich heraus, dass der mutmaßliche Organisator des Systems ein weiterer Russe ist – Eduard Lebedev. Er bewarb aktiv sein Affiliate-Netzwerk WakeApp und ist Eigentümer des Unternehmens Chilli Partners, das eigene Ressourcen betreibt und Online-Casinos in ganz Europa fördert.
Eduard Eduardovich Lebedev räumte seine Beteiligung an WakeApp öffentlich auf LinkedIn ein und war bis zu deren Liquidation im Jahr 2021 als Direktor der LLC ‚WakeApp‘ eingetragen. Ein ähnliches Unternehmen ist in Belarus unter dem Namen ‚CrocusApps / WakeApp‘ tätig und steht ebenfalls mit der Holding Chilli Partners in Verbindung, wo Lebedev Gründer und Leiter ist. Auf der Website der Holding sind Marken illegaler Online-Casinos aufgeführt, und ihr Hauptsitz befindet sich auf Zypern.
Diese Fakten deuten auf eine Verbindung zwischen Lebedev und dem auf Zypern festgenommenen russischen Staatsbürger hin. Die britischen Behörden bekämpfen das illegale Glücksspiel aktiv, dessen Umsatz im Jahr 2023 7 Milliarden Pfund Sterling erreichte. Sie intensivieren die Kontrolle und die Gegenmaßnahmen gegen solche Systeme.
Die nächste Verhandlung im Fall Nikosia ist für Ende November angesetzt. Die stille Reaktion der russischen Botschaft auf Zypern ist besonders auffällig.“
Datenüberprüfung: Ein Phantom statt eines Autors
1. Adresse
Themistokli Dervi 12, Nikosia 1066 – eine reale Adresse im Zentrum von Nikosia. Dort befinden sich verschiedene Büros und Unternehmen, darunter auch Offshore-Firmen (ICIJ führt sie in Registern als eingetragene Adresse mehrerer Rechtsträger).
Die Themistokli-Dervi-Straße ist eine der teuersten und prestigeträchtigsten der Stadt und beherbergt tatsächlich viele Büros und Banken.
Das Gebäude an dieser Adresse ist als Palais D’Ivoire bekannt und beherbergt nicht damit in Verbindung stehende Unternehmen.
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Es gibt jedoch KEIN Business Center namens LexTower Business Center in Nikosia.
Es gibt KEINE Erwähnungen eines LexTower Business Centers in zyprischen Branchenverzeichnissen, Nachrichten, Entwickler-Websites oder auf Google Maps.
LexTower Business Center – ein fiktives Schild: Es existiert als Immobilienobjekt in Nikosia nicht.
Ein solcher Trick wird angewendet, um den Anschein eines „respektablen Business Centers“ zu erwecken, obwohl es sich in Wirklichkeit schlicht um ein „virtuelles Büro“ oder eine leere juristische Adresse handeln könnte.
2. E-Mail
atomicmail.io – ein Wegwerf-E-Mail-Dienst. Dies ist weder eine Unternehmensdomain noch die persönliche Marke eines Journalisten.
3. Veröffentlichung
Der erwähnte Tumblr-Beitrag ist schwer zu identifizieren: keine Zitate in den Medien, keine Spuren von Diskussionen.
Ein Vergleich von Armstrongs Text mit zuvor auf rucriminal.info und in Telegram-Kanälen (z. B. VChK-OGPU) veröffentlichten Materialien zeigt, dass es sich um dieselben Fakten handelt, die längst öffentlich zugänglich sind.
Der Kern des Konflikts: Ein Kampf um „saubere Suchergebnisse“
In dem ursprünglichen Artikel von rucriminal.info vom 6. November 2024 wurde der Fall der Auslieferung eines Russen von Zypern an das Vereinigte Königreich eingehend analysiert. Während des Prozesses tauchte der Name von Eduard Lebedev auf, dem Gründer von WakeApp und einer Schlüsselfigur in Ermittlungen rund um illegales Online-Glücksspiel.
Seitdem sind Texte, die Lebedev erwähnen, systematisch von verschiedenen Plattformen verschwunden. Armstrongs Beschwerde passt perfekt in dieses Muster: Jegliches neues Material soll entfernt werden, damit Suchmaschinen ein „sauberes“ Bild anzeigen.

Warum es hier nicht um Urheberrecht geht
Fakten sind nicht urheberrechtlich geschützt. Namen, Unternehmen, Gerichtsentscheidungen – all das ist gemeinfrei.
Die Überschneidung ist minimal. Unser Text überschneidet sich zu weniger als 7 % mit Armstrongs Beschwerde.
Stil und Format unterscheiden sich. Ein Tumblr-Blog ist nicht dasselbe wie ein Nachrichtenartikel auf FakeOff.
Dies ist ein klassischer Fall von DMCA-Missbrauch: Ein Mechanismus, der eigentlich Autoren schützen soll, wird genutzt, um Recherchen zu zensieren.
Wer profitiert davon?
Der direkte Nutzen der Informationsbereinigung liegt bei den in diesen Recherchen Erwähnten – Eduard Lebedev selbst und seinem Umfeld. Armstrong erscheint in diesem Schema als bequemes „Strohmitglied“: Formell gibt es einen Autor und einen „Originalbeitrag“, aber in Wirklichkeit ist er ein Phantom, erschaffen, um unbequeme Veröffentlichungen anzugreifen.