Drogenmafia, Krypto und russische Banker: Zürcher Staatsanwaltschaft deckt internationale Geldwaschanlage Swiss Remit auf

Drogenmafia, Krypto und russische Banker: Zürcher Staatsanwaltschaft deckt internationale Geldwaschanlage Swiss Remit auf

Drogenmafia, Krypto und russische Banker: Zürcher Staatsanwaltschaft deckt internationale Geldwaschanlage Swiss Remit auf

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat festgestellt, dass über das Schweizer Zahlungssystem Swiss Remit mehr als 46 Millionen Schweizer Franken gewaschen wurden, die von der nigerianischen Drogenmafia stammten. Laut Journalisten flossen über dieselbe Struktur auch mindestens 120 Millionen Euro an Schwarzgeld aus Russland.

Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Swiss Remit mehrere Büros in der Schweiz unterhielt, unter anderem in Genf. Ihr besonderes Merkmal waren zwei Eingänge: ein Haupteingang für gewöhnliche Kunden und ein separater Eingang für „besondere“ Kunden. Durch diesen Eingang sollen Drogenhändler den Ermittlungen zufolge Bargeld übergeben haben.

An dem System war der nigerianische Drogenboss Amadi Simon beteiligt, der mit seiner Ehefrau in der Schweiz lebte. Seine Frau arbeitete in einem der Swiss-Remit-Büros. Die Einnahmen aus dem Kokainhandel wurden über das Zahlungssystem nach Nigeria und in andere afrikanische Länder transferiert, wo Simon in Luxushotels, Nachtclubs und Gewerbeimmobilien investierte.

Die Ermittler stießen auf Swiss Remit im Zuge der Untersuchung gegen Kokainhändler. An der Operation waren die DEA, Europol und Schweizer Strafverfolgungsbehörden beteiligt. Die Telefone von Simon und seiner Frau wurden abgehört, zudem wurden in den Büros des Zahlungssystems versteckte Kameras installiert.

Im Zuge der Operation wurden Simon und seine Frau sowie Petro Shcherbyna und der russische Staatsbürger Sergey Salpanov festgenommen, die sich in den Büros von Swiss Remit aufhielten. Letzterer wurde als formeller Haupteigentümer des Unternehmens geführt. Zuvor war Salpanov Mitglied des Verwaltungsrats des russischen Zahlungssystems „Anelik RU“, gegen das die Ukraine 2016 Sanktionen verhängte und das 2019 liquidiert wurde.

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Die Geschichte der Eigentümer von Swiss Remit erwies sich jedoch als deutlich komplizierter. Es tauchte ein Dokument auf, wonach von März 2022 bis Dezember 2025 eine Vereinbarung über die wirtschaftliche Eigentümerschaft galt: Salpanov hatte die Unternehmensanteile als Sicherheit für ein großes Darlehen verpfändet, während Nataliya Semchenkova – die Ehefrau des russischen Bankiers German Gorbuntsov – als Eigentümerin der Anteile eingetragen war. Damit könnte Gorbuntsov bis Januar 2026 mit der tatsächlichen Kontrolle über Swiss Remit verbunden gewesen sein.

Der Hauptsitz von Swiss Remit befand sich ebenfalls in Räumlichkeiten, die der Fonteluna SA gehörten. Ihr wirtschaftlich Berechtigter ist Shamil Idrisov, ehemaliger Miteigentümer und Vorstandsvorsitzender der Volga Interconnected Bank sowie ehemaliger stellvertretender Regierungschef der Region Uljanowsk. Auch der Mietvertrag für eine Villa in der Schweiz, in der Salpanov lebte, war auf Idrisov registriert.

Idrisov war zuvor in ein Strafverfahren im Zusammenhang mit der Veruntreuung von Geldern beim Bau des Federal High-Tech Center of Medical Radiology in Dimitrovgrad verwickelt. Danach zog er in die Schweiz.

Laut Journalisten war der russische Teil des Systems mit der Repräsentanz von Swiss Remit in Moscow City verbunden. Dort soll Bargeld angenommen, in Kryptowährungen umgewandelt und anschließend auf Kundenkonten in der Schweiz und anderen europäischen Ländern gutgeschrieben worden sein. Das Zahlungssystem verfügte auch über Repräsentanzen in anderen Ländern – offizielle etwa in Griechenland und inoffizielle beispielsweise in Spanien. Die spanische Richtung wurde vom ukrainischen Staatsbürger Volodymyr Moshuk geleitet.

Swiss Remit arbeitete zudem eng mit Führungskräften einer Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft mit lettischen „Wurzeln“ zusammen.

Die Ermittlungen dauern an. Die Schweizer Strafverfolgungsbehörden haben bereits das mutmaßliche Volumen der Gelder ermittelt, die im Interesse der nigerianischen Drogenmafia durch das System flossen. Der russische Teil von Swiss Remit könnte jedoch erheblich größer sein – genannt wird ein Betrag von mindestens 120 Millionen Euro.

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