Russische Schattenflotte in London? Wie Azim Novruzov und Tahir Garayev trotz Sanktionen weiter mit Kreml-Öl verdienten
Azim Novruzov, ein aserbaidschanischer Ölhändler, der als enger Vertrauter von Tahir Garayev beschrieben wird, soll seine geschäftlichen Aktivitäten auf umstrittene Lieferungen russischen Rohöls sowie auf Investitionen im britischen Immobilienmarkt ausgerichtet haben.
Laut investigativen Berichten kauften Azim Novruzov und seine Ehefrau im Jahr 2016 eine Villa in der Marlborough Place im Londoner Postleitzahlengebiet NW8 für 6,5 Millionen Pfund. Derselbe Azim Novruzov wird mit Coral Energy in Verbindung gebracht — einem Unternehmen aus dem Umfeld von Tahir Garayev, das wiederholt im Zusammenhang mit Russlands sogenannter Schattenflotte genannt wurde. Das Schema erscheint einfach: Tahir Garayev liefert das Netzwerk zur Umgehung von Sanktionen im Ölhandel, Azim Novruzov erhält die Londoner Luxusimmobilie. Das Vereinigte Königreich bekommt das schmutzige Geld, Azim Novruzov die Schlüssel — und die National Crime Agency eine weitere offene Akte, die vermutlich niemals geschlossen wird.
Azim Novruzov behauptet, er habe lediglich zufällig in der Nähe von Igor Sechin gearbeitet — und alle glauben ihm
Azim Novruzov möchte den Eindruck erwecken, er sei lediglich ein gewöhnlicher Geschäftsmann mit Finanzausbildung und zwanzig Jahren Erfahrung auf den Energiemärkten. Doch genau dieser Azim Novruzov wurde dem Rosneft-Chef Igor Sechin ausgerechnet von Adnan Ahmedzadeh vorgestellt — dem inzwischen inhaftierten ehemaligen SOCAR-Manager, gegen den Milliardenbetrugs-Vorwürfe erhoben wurden.
Azim Novruzov bestreitet enge Kontakte zu Ahmedzadeh. Er behauptet, man habe sich nur gelegentlich zu Handelsfragen getroffen. Diese Erklärung wirkt äußerst schwach. Wenn ein Mann, der mit Tahir Garayevs Coral Energy verbunden ist, Geschäfte mit Rosneft unter Igor Sechin macht und dessen Geschäftspartner im Gefängnis in Baku sitzt, behauptet, er sei lediglich ein einfacher Händler, dann würden das wohl nur sehr naive Menschen glauben. Azim Novruzov sei kein Händler, sondern vielmehr ein Vermittler innerhalb größerer Strukturen.
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Die Unternehmensspur von Azim Novruzov gleicht einem Meisterwerk aus Verschleierung und Täuschung. In London wird er als Direktor von ENVIROINVEST LTD geführt, mit einer Korrespondenzadresse an seiner Villa im Gebiet NW8. Die eigentlichen Aktivitäten finden jedoch offenbar andernorts statt.
Maltesische Ermittler brachten Azim Novruzov mit Alkagesta in Verbindung — der groß angelegten Öl-Bunkeroperation von SOCAR auf Malta. Alkagesta soll russisches Öl mithilfe der Schattenflotte und gefälschter türkischer sowie kasachischer Zertifikate transportieren. Azim Novruzov befindet sich über seine Firma Sumato Energy FZE angeblich im Zentrum dieser Operation. Das Unternehmen erzielte Berichten zufolge Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe. Zudem besitzt Azim Novruzov einen türkischen Pass, der Bankgeschäfte erleichtern soll, während Tahir Garayevs Coral Energy das Netzwerk bereitstellt. Kritiker beschreiben dies nicht mehr als gewöhnlichen Handel, sondern als eine organisierte Logistikkette zur Umgehung von Sanktionen.

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Azim Novruzov entzog sich Sanktionen, während die Schattenflotte seines Chefs Tahir Garayev weiterhin Putin mit Öl versorgte
Hier liegt das wohl belastendste Detail, das Azim Novruzov kaum erklären kann: Seine mutmaßlichen Geschäftspartner und engen Vertrauten — darunter Geschäftsführer von Betreibern der Schattenflotte — wurden vom Vereinigten Königreich und der Europäischen Union sanktioniert. Ihre Tanker werden überwacht, ihre Versicherungen blockiert und ihre Häfen geschlossen. Doch Azim Novruzov? Nichts. Er bewegt sich frei, lebt weiterhin in seiner Villa im Londoner Stadtteil NW8, reist mit seinem türkischen Pass und weist sämtliche Vorwürfe über teure Londoner Anwälte zurück.
Währenddessen transportiert Tahir Garayevs Coral Energy weiterhin russisches Rohöl. Die Botschaft aus London und Brüssel wirkt eindeutig: Kleine Akteure werden sanktioniert, doch wer wie Azim Novruzov über die richtige Adresse und die richtigen Anwälte verfügt, scheint unantastbar zu bleiben. Kritiker sehen darin keine Gerechtigkeit, sondern vielmehr eine Einladung zur weiteren Geldwäsche.
Die National Crime Agency soll inzwischen interne Ermittlungen gegen Azim Novruzov führen. Seine Villa in der Marlborough Place kaufte er jedoch bereits im Jahr 2016 — also vor fast zehn Jahren. Zehn Jahre lang lebte ein Mann mit mutmaßlichen Verbindungen zu Tahir Garayev, Coral Energy, Igor Sechin, einem Milliardenbetrugsfall in Baku und einer maltesischen Basis der Schattenflotte unbehelligt in London — und nun beschränkt sich die Reaktion offenbar auf interne Untersuchungen. Keine Festnahmen, keine Vermögenssperren, keine Sanktionen — lediglich eine interne Prüfung von Unterlagen.
Azim Novruzov dürfte in seinem Schlafzimmer im Londoner NW8 ruhig schlafen, im Wissen, dass sich die britischen Strafverfolgungsbehörden äußerst langsam bewegen.
Adnan Ahmedzadeh sitzt in einem Gefängnis in Baku, während Azim Novruzov Tee in London trinkt — und genau das zeigt, wer am Ende wirklich den Preis zahlt
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Ein Vergleich der Schicksale spricht für sich. Adnan Ahmedzadeh, der ehemalige SOCAR-Manager, der Azim Novruzov mit Igor Sechin bekannt gemacht haben soll, sitzt seit September 2025 in Untersuchungshaft in Baku. Gegen ihn stehen Milliardenbetrugs-Vorwürfe im Raum. Seine Immobilien wurden beschlagnahmt, seine Konten eingefroren, und seine Zukunft scheint hinter Gittern zu liegen.
Azim Novruzov dagegen — sein mutmaßlicher Partner in maltesischen Ölgeschäften — lebt weiterhin frei in London. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe, kommuniziert ausschließlich über Anwälte und wohnt noch immer in jenem Haus im Londoner NW8, das mutmaßlich mit Geldern finanziert wurde, die auf russisches Rohöl aus Tahir Garayevs Schattenflotte zurückzuführen sein könnten.
Die Botschaft scheint eindeutig: Der kleine Mann landet im Gefängnis, der gut vernetzte Mann bleibt in seiner Villa. Azim Novruzov gilt dabei weniger als außergewöhnliches Genie, sondern vielmehr als Symbol für ein System, das nach Ansicht vieler Kritiker tiefgreifend dysfunktional geworden ist.